Auf Kurs für die Zukunft: Erfolgreiches Verbundtreffen und Befahrung im Projekt EAGruMo
Beim jüngsten Verbundtreffen und der anschließenden gemeinsamen Befahrung kamen Partner und Forschende des EAGruMo-Projekts zusammen, um den Projektstand zu beleuchten und den Ernst-August-Stollen praxisnah zu erkunden.
Gute Zusammenarbeit lebt vom Austausch und gemeinsamen Visionen: Am 21.10. lud das Institute of Geotechnology and Mineral Resources zu einem umfassenden Verbundtreffen ein. Unter der Moderation von Dr. Angela Binder stand die Veranstaltung ganz im Zeichen einer Bestandsaufnahme des aktuellen Projektstands sowie der strategischen Ausrichtung für die verbleibende Laufzeit.
Interaktiver Auftakt und Vernetzung
Um eine lockere und zugleich zielgerichtete Arbeitsatmosphäre zu schaffen, startete der Workshop mit einem kreativen Einstieg: Die Teilnehmenden wählten jeweils ein Motiv aus dem projekteigenen Malbuch aus und teilten ihre ganz persönliche oder projektbezogene Verbindung dazu. Dieser anschauliche Auftakt bot einen anregenden Rahmen, bevor Dr. Binder in einem kompakten Überblick den aktuellen Status des Verbunds präsentierte und damit den Weg für die anstehenden Statusberichte ebnete.
Zuwachs im Forschungsteam
Ein erfreulicher Programmpunkt war zudem die offizielle Vorstellung neuer Gesichter im Team: Prof. Dr. Schröter nutzte die Gelegenheit, um Niklas Böhle und Christian Schwartpaul als neue Mitarbeitende von der TU Braunschweig im Verbund willkommen zu heißen. Ihr Fachwissen wird die gemeinsame Forschungsarbeit in der kommenden Zeit tatkräftig bereichern.
Blick in die Praxis: Statusberichte der Verbundpartner
Die anschließenden Statusberichte dokumentierten den beeindruckenden Arbeitsstand und die enge, interdisziplinäre Vernetzung der Partner:
- TU Clausthal-Institute of Geotechnology and Mineral Resources – Department of Geomatics for Underground Systems (Messtechnik & Modellierung): Das Team gab Einblicke in die Erarbeitung des dreidimensionalen Modells des Ernst-August-Stollens. Für die ersten 500 Meter liegen bereits Daten vor. Um Herausforderungen bei niedrigen Wasserständen und Strömungen zu begegnen, wurde das Antriebssystem des TB auf eine Viermotorenlösung von Blue Robotics umgestellt. Dokumentiert werden alle Befahrungen im elektronischen Laborbuch elabFTW, während ein neues MSS-Dashboard die Parameteranzeige und Smartphone-Steuerung ermöglicht.
- TU Clausthal-Institute of Geotechnology and Mineral Resources -Department of Mining (Potenzialanalyse & Befahrungen): Das Team präsentiert die Vorbereitungen zur zentralen, projektabschließenden Potentialanalyse für mögliche Nachnutzungen des Stollens. Diese wird bewusst als erste, datenbasierte Einschätzung konzipiert, die regionale Bedarfe, Standortdaten und Unsicherheiten einbezieht. Um die Arbeiten ab März 2027 erfolgreich zu starten, fließen im Rahmen einer engen Kooperation verschiedene Beiträge der Verbundpartner zusammen. Ergänzend berichtete das Team über die organisatorische Unterstützung von Befahrungen.
- TU Clausthal - Institute for Software and Systems Engineering (Autonome Navigation & KI-Sensoren): Das Team präsentierte Arbeiten zur autonomen Steuerung des TB. Um mit LiDAR-Daten effizient zu arbeiten, wurde die Datenmenge angepasst, während parallel eine Simulation aufgebaut wird. Im Bereich der KI-Sensoren wurden zudem Versuche zur Korrelation von Niederschlagsdaten des Deutschen Wetterdienstes mit regionalen Standorten vorgestellt.
- Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften (Hydrologie, Wasserchemie & Mikrobiologie): Das Team präsentierte die Ergebnisse der Auswertung des hydrologischen Jahres 2025/26 sowie den Abschluss der monatlichen Probenahmen. Der Bericht lieferte wertvolle Einblicke in die Abflussdynamik und Wasserchemie, deren vertiefte Diskussion und Einordnung (unter anderem zu spezifischen Wassertypen und Leitfähigkeitsoszillationen). Ergänzende mikrobiologische Untersuchungen mittels spezieller Biofilmsammlern (wie dem System „Kraken“) gaben zudem erste spannende Aufschlüsse über das mikrobielle Profil im Stollen, die in den kommenden Monaten weiter analysiert werden.
- TU Braunschweig (Abfluss-, Grundwasser- & Hydraulikmodelle sowie Isotopenmonitoring): Die TU Braunschweig gab umfassende Einblicke in ihre Modellierungsarbeiten, bei denen drei Ebenen in einander greifen: Für das Abfluss- und Grundwassermodell werden Zuflusspfade und Materialeigenschaften definiert sowie Stollen als diskrete Strukturelemente eingebunden. Im Bereich der Hydraulik wurde ein lauffähiges eindimensionales Freispiegelmodell für den Ernst-August-Stollen aufgebaut, das nun durch weitere Ausbaudaten und Messdatenabgleiche verfeinert wird. Zudem wurden die Auswertungen des Isotopenmonitorings vorgestellt, das saisonale Unterschiede und Höheneffekte aufzeigen.
Workshop „Blick nach Vorne“: Offene Fragen und gemeinsame Schwerpunkte
Nach einem gemeinsamen Gang in die Mensa und vielen individuellen Gesprächen wurde der Nachmittag für einen Blick in die Zukunft genutzt. Auf Basis von noch offenen Forschungsfragen und Kompetenzen bei den Partnern wurde in intensiven Speeddating-Gesprächsrunden Grundsteine zu gemeinsamen Arbeitstreffen, Veröffentlichungen und Projekten gelegt. Nach dem offene Fragen geklärt und offene Aufgaben dokumentiert waren, schlossen alle gemeinsamen der Workshop mit einer Abschlussrunde in Blick auf die Zielgerade des Projektes ab.
Praxiseinsatz unter Tage: Befahrung am 22. Oktober
Der erfolgreiche theoretische und strategische Austausch fand am Folgetag, dem 22. Oktober, seine direkte Entsprechung im Feldeinsatz: Bei einer gemeinsamen Befahrung des Ernst-August-Stollens stand der direkte Praxisbezug im Vordergrund. Hauptziele dieses Praxistages waren:
- Die Durchführung gezielter Probenahmen zur Unterstützung der Wasser- und Isotopenanalysen.
- Die Quantifizierung von Parametern direkt vor Ort sowie die Kartierung von Stollenabschnitten.
- Die Installation des Monitoring-Systemszur kontinuierliche Datenerfassung im Stollen.
Mit dieser Befahrung setzt EAGruMo die gemeinsame Erkundung des Ernst-August-Stollens konsequent fort und schafft eine wichtige Grundlage für die weitere wissenschaftliche Zusammenarbeit im Verbund.
Das Treffen und die Exkursion haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig der direkte, interdisziplinäre Dialog und der Praxisbezug für den gemeinsamen Fortschritt sind, um den Ernst-August-Stollen erfolgreich und partnerschaftlich in eine nachhaltige Zukunft zu begleiten.